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Juttas Reisebericht
" Meine Reise ist vorbei, drei Länder in acht Tagen. Samstag sind Jakob und ich im strömenden Regen nach Rostock gefahren, Hose nass, Jacke klamm, alles kalt. In Rostock war’s schön sonnig und warm und dieses Zeug trocknet rasend schnell.
Am Fährhafen haben wir den ollen Lastfährkahn gefunden und auf Thomas, Peter und Michael gewartet. Zusammen mit den besagten 85 weißrussischen LKW-Fahrern und den vier Jungs bin ich dann 24 stunden nach Liepaja, tags bei schönstem Sonnenschein. Essen gab es nach Plan, mit Durchsage und genauer Uhrzeit, dann Rauswurf eine Stunde später, Fisch war alle, als ich dran war, Sonnendeck und Doppelstockbetten. Abends 20 Uhr Liepaja in Lettland, ein völlig runtergekommener Ort, kalt und die Jungs wollten weiter, an der haus- und menschenleeren Küstenstrasse entlang haben wir eine Unterkunft gesucht, unser Ziel Jurkalne war kein Urlaubsort, sondern eine Ansammlung von Hütten und Höfen, es war saukalt und schon 22.30, als uns eine Frau auf einer Tankstelle half, mit Jakobs Russisch-Kenntnissen..... wir haben auf einem traumhaften Hof in kleinen Häuschen Bei "Luki" übernachtet, wiesen Wald, Blumen, ein Storch spazierte auf dem Hof und Frau "Luki" war süß, hat uns morgens ein total schönes Frühstück gezaubert, alles für 10 EUR pro Nase.
Dann ging’s Montag Richtung Riga weiter über Kuldiga und Saldus, der Versuch Landstraßen zu nehmen, scheiterte nach diversen Schotterpisten, hat Spaß gemacht, aber weitere 60 km waren zu viel, also umdisponiert.....
Bei der Einfahrt nach Riga hat es wiedermal in Strömen gegossen, dauernd haben wir uns verfranst und haben uns in ein Cafe in der Altstadt gerettet, von dort per Telefon ein ödes, aber nahes Hotel gefunden. Abends zu Fuß in die schöne Rigaer Altstadt, ein bisschen wie Odessa sah es dort aus, mit dem Taxi zurück. Morgens Frühstücksbuffett im Hotel, immer Eier und Wurst und dann weiter nach Kaunas.
Klaipeda und Vilnius haben wir gestrichen, auch wegen des Wetters, und weil alles etwas länger dauerte, als gedacht, allein aus Riga rauszufinden, eine stunde.....
Über Bauska zur Grenze nach Litauen, Landstrasse nach Kaunas. wind, nein eher Sturmböen von rechts, was uns eine zeit lang vor den dicken, fetten Regenwolken gerettet hat, aber ein einziger Kraftakt auf dem Mopped war. Ich war die einzige mit leichtem Fahrzeug und ohne Scheibe vorn, saß also direkt im Wetter, aber es ging, obwohl ich freiwillig nicht mal bei einer Wolke losfahren würde.
Wunderschöne Blicke, Störche immer wieder, rasende Pustewölkchen, dazwischen blauer Himmel, Sturm und graue Wolkenberge, dann strömender Regen, Regenkombi anpellen und weiterfahren, durch nette Örtchen ging es und schließlich in Kaunas im Ecotel gelandet, ein nettes kleines Hotel, abends wieder Altstadt-Spaziergang, eine Flaniermeile wie in italienischen Städten, aber leer, essen in landestypischer Jugendlichen-Pizzeria.
Am nächsten Tag sind wir nach Frühstücks-Omelett mit Schinken noch mal durch die Altstadt gelaufen und dann über Marijampole weiter nach Polen, schon lag das Baltikum wieder hinter uns, viele trostlose bauten dort, alles etwas ramponiert, aber nette Leute und in den Städten auch nicht anders als bei uns. Acht tage sind zu kurz für alle schönen ziele dort.
Richtig schön wurde es in Polen, Kaffee trinken und Geld wechseln in Suwalki, danach haben uns die Masuren überwältigt, traumhaft schön ist es dort, auch wieder rasende Wölkchen, meist schönes Wetter, etwas windig und bäume, Wälder, Alleen, immer wieder Seen und schöne Örtchen, nach Olecko, Gizycko an den Seen entlang, pause in Mikolajki, einer kleinen Idylle am See, schön wie alle Uhrlaubsorte an schönen Seen. Danach sind wir nach Kosewo vor Magrowo ins Pensjonat "Hubertus", hatte ich aus dem Internet, war schon mal eine Motorradtour dort. Klasse Abendessen, gute Zimmer und Spitzenfrühstück, nette Wirtin und Garage für die Mopeds, keine Abendspaziergänge mehr, war abseits vom Tourismus.
Sind dann einen Tag dort geblieben, d.h. in ein anderes Hotel, "country holiday", Gepäck abgeladen und durch Masuren gedüst. erst waren wir an der Wolfsschanze, die Jungs wollten sich das "Führerhauptquartier" bei Ketrzyn(früher Rastenburg) ansehen, lauter Bunker, Schulklassen, Reisebuße, sehr unheimlich und alles unvorstellbar, vorher eine Fronleichnamsprozession im nahen Ort.
Danach wollten wir uns eigentlich nur die russische Grenze ansehen und sind dabei in völlig abgelegene Ecken geraten, z.b. nach Kotki, waren sozusagen am Ende der (westlichen) Welt. haben Leute gefragt, wo die grenze ist und Kinder rannten ohne Schuhe auf Socken hinter uns her, durften sich auf Jakobs Mopped setzen.... die Karte war etwas ungenau und wir wollten einen günstig scheinenden Feldweg nehmen, Stock und Stein und Sand und Schotter und ziemlich bergab, dann ging es nicht mehr weiter und wir mussten umdrehen, auch sehr mühsam, vor allem mit den dicken Maschinen.
Kurz danach hat uns der polnische Grenzschutz aufgegabelt, die sind extra wegen uns am heiligen "Fronleichnam" geweckt worden, wurden von Bewohnern alarmiert, weil fünf Motorräder im Grenzgebiet rumfahren, das waren wir !! der Typ war sauer und hat unsere Daten aufgeschrieben, Jakob und Michael sind weitergefahren, vor uns sind sie gerade rausgehüpft aus dem Jeep mit Kelle. eine Polin, die deutsch sprechen konnte, hat unsere suche nach dem Grenzübergang zum "nur mal kucken" erklärt und wir durften irgendwann weiter fahren.
Das war alles sehr spannend, besonders diese Schotterstraßen und Feldwege und Panzerstrassen und einsamen Waldsträßchen. Ein Tag Urlaub in Masuren also.
Am Freitag sind wir morgens über Olsztyn und Moorhag Richtung Danzig, auch wieder mit Regenpelle und Wechselwetter. Zwischendurch hat sich Peter die Marienburg in Malbork, ne riesige olle Ritterburg, angesehen, Pause dort.
Thomas war im November in Danzig und kannte noch ein Hotel, das er gleich gefunden hat, eine Hostel, eine Art Jugendherberge, Fünf-Bett-Zimmer mit Doppelstockbetten, na gut, eine Nacht Klo und dusche auf dem gang war o.k. Danzig ist wunderschön und die kleinen Strassen nähe Hafen sind wie Filmkulissen, waren lecker essen und ich bin als erste ins Zimmer, die Jungs halten länger durch.
Samstag Frühstück am Hafen von Danzig und dann quer durch Polen Richtung Küstrin, Peter wollte am Sonntag zu Hause sein, Wetter mäßig, regen, kalt und windig und deshalb auch mit Jakob keine Ostsee-Umwege mehr, obwohl ich noch länger zeit gehabt hätte.
In Küstrin ist Jakob weiter gefahren nach Berlin, ich habe dort noch mit den anderen übernachtet, Hotel "Verona"-24 stunden- mit 'ner Stange für Tanz-Darbietungen eindeutiger art, war aber nichts los an dem Abend.
Küstrin ist das trostloseste, was ich seit langem gesehen habe, das Zentrum leer und alles alt und abgewrackt und dunkelgrau, wegen der niedrigen preise ein paar Clubs und Bars für den Grenzverkehr, das war es auch schon. Trotzdem gut geschlafen und am Sonntag nach einem Frühstück bei Mc Donalds weiter nach Berlin, Thomas, Peter und Michael verabschiedet. 2.200 Kilometer bin ich gefahren und ganz froh wieder zu Hause zu sein, es war klasse und das fahren hat Spaß gemacht, das Wetter habe ich gut überstanden, gefroren habe ich so, wie schon lange nicht mehr und ganz viel gesehen."
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